Phänomenologie des Pop

Das Fremde ist grundlegend für die Erfahrungen internationaler Popkultur. In der Poptheorie wird es jedoch kaum reflektiert. Zugleich bedient sich diese Theorie zahlreicher phänomenologischer Denkfiguren – wie Lebenswelt oder Response –, ohne sie selbst zu ergründen. Zusammen entsteht so eine Lücke, die nur eine Phänomenologie des Pop schließen kann. Dieses Buch bietet einen ersten Ansatz dazu. Es verbindet den aktuellen Diskurs in der wissenschaftlichen wie freien Poptheorie mit dem gegenwärtigen Forschungsstand in der Phänomenologie, um in beide Richtungen Denkanstöße zu geben. Am Schluss steht eine Inventur des Pop-Begriffs, eingebettet in Beispiele von der ABBA Arena bis zu chinesischem Punk.

Phänomenologie des Pop

299 Seiten, Verlag Karl Alber, Freiburg i. Br., 2026, 49 Euro

Versuche, sich der wenig greifbaren Welt des Pop philosophisch anzunähern, gab es in deutscher Sprache bislang verhältnismäßig wenige, umso bemerkenswerter ist dieses Buch eines Philosophen, der auch künstlerisch in Musik, Literatur und Performance unterwegs ist. Der in Brüssel und Gent lehrende Volkmar Mühleis eröffnet dabei einen Zugang zur Phänomenologie – die z.B. Begriffe wie „Wesensschau“ und „Lebenswelt“ geprägt hat – und bezieht deren Wirksamkeit auf die vielfältigen Erscheinungsformen des Pop, wie sie sich heute weltweit zeigen, von der ABBA-Arena bis zum chinesischen Punk. Die Schwierigkeit, den glamourösen Zauber des Pop nicht mit zeitgenössischen Diskursen zu überschreiben, meistert der Autor souverän. Das äußerst kenntnisreiche Buch überrascht mit originellen Thesen, es bleibt dabei dem Pop ebenso verbunden wie der Philosophie.

Pierangelo Maset (aka Dr. Misch)